ISENHAGENER LAND
Nördlicher Landkreis Gifhorn

URGENT ACTION: OYUB TITIEV

Aktion läuft bis: 8. April 2019

Helfen Sie politischen Gefangenen mit einem Brief. Es ist ganz einfach:

  1. Schildern Sie dem Adressaten (Beispielbrief) den Fall (Infomationen finden Sie weiter unten).
  2. Stellen Sie fest, dass Menschenrechte verletzt werden, dass es für eine Verfolgung oder Verhaftung keine Rechtsgrundlage gibt, dass der Betroffene gewaltlos seine Meinung äußert. Sie können auch auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO hinweisen.
  3. Stellen Sie Forderungen: Einstellung von Folter und Misshandlung, medizinische Hilfe, Freilassung, Verfolgung von Straftaten (siehe unten).
  4. Formulieren Sie stets sachlich und höflich, aber bestimmt.

Sie können auch den folgenden Beispielbrief verwenden oder abändern.

FALLBESCHREIBUNG

Oyub Titiev wurde am 9. Januar 2018 unter konstruierten Drogenvorwürfen willkürlich festgenommen und ist bis heute in Haft. Die Anhörung seines Falls begann am 19. Juli 2018 vor dem Stadtgericht Schali und soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. In dem Verfahren ist es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten gekommen und vieles deutet darauf hin, dass Oyub Titievs Recht auf ein faires Gerichtsverfahren seit seiner Festnahme durch die Polizei wiederholt verletzt wurde. Während der gerichtlichen Anhörungen wurde deutlich, dass der von der Staatsanwaltschaft konstruierte Fall einer Überprüfung nicht standhält. Die Zeug_innen der Staatsanwaltschaft – fast durchgängig Angehörige der tschetschenischen Polizei – „vergaßen“ ständig die Umstände von Oyub Titievs Inhaftierung, konnten keinen kohärenten Bericht der Ereignisse jenes Tages abgeben oder stritten offensichtliche Fakten ab, darunter solche, die durch Fotoaufnahmen belegt wurden. Gleichzeitig bestand die Staatsanwaltschaft darauf, dass begründeten Anträgen der Verteidigung nicht stattgegeben wurde. So zum Beispiel den Anträgen auf eine forensische Untersuchung von Materialien oder die Zulassung von Dokumenten. Die Richter_in unterstützte dabei durchgängig die Position der Staatsanwaltschaft. Dieses Vorgehen wurde besonders deutlich, als die Verteidigung bei den letzten Anhörungen versuchte, Beweismaterial vorzulegen, das die These der konstruierten Vorwürfe untermauerte.

Bei einer Verurteilung drohen Oyub Titiev bis zu zehn Jahre Haft. Oyub Titiev ist ein gewaltloser politischer Gefangener, der sich lediglich aufgrund seiner friedlichen Menschenrechtsarbeit in Haft befindet. Damit soll er zum Schweigen gebracht und die Menschenrechtsarbeit seiner Organisation Memorial behindert werden.

FORDERUNGEN

Die Anklagen sollen fallengelassen und Oyub Titiev umgehend und bedingungslos freigelassen werden.

HINTERGRUND

Die Anhörungen im Fall Oyub Titiev wurden am 14. Januar 2019 nach einer dreiwöchigen Unterbrechung wieder aufgenommen. Seither fanden zwölf Anhörungen statt, bei denen die Verteidigung zahlreiche Anträge einreichte, die zeigten, dass der Fall konstruiert ist. Sie wurden jedoch allesamt abgewiesen.

Einer der letzten Anträge betraf eine Tasche mit Drogen, die als Beweis nicht zugelassen werden sollte. Sie war angeblich am 9. Januar 2018 in Oyub Titievs Auto gefunden worden. Die Verteidigung argumentierte, dass die Grundregeln zum Umgang mit Beweismaterial bei dieser Tasche nicht befolgt worden waren. In der Prozessakte steht, dass die Drogen den Expert_innen in einer anderen Verpackung zur Überprüfung geschickt wurden, als der, in der sie angeblich gefunden wurden. Das heißt, dass die Verpackung, die versiegelt hätte bleiben müssen, geöffnet wurde.

Am 14. Februar hat das Europäische Parlament eine Resolution zur Lage in Tschetschenien und dem Fall von Oyub Titiev verabschiedet, in dem das Parlament seine sofortige Freilassung fordert und die Vorwürfe als konstruierte Anklagen bezeichnet. In der Resolution werden internationale Persönlichkeiten aus dem Bereich Sport und Kunst dazu aufgefordert, nicht an öffentlichen Veranstaltungen in Tschetschenien oder solchen, die von der tschetschenischen Führung finanziert werden, teilzunehmen.

Oyub Titiev ist einer der unerschrockenen russischen Menschenrechtsverteidiger_innen und leitet das Memorial-Büro in Grosny seit mehr als neun Jahren. Das Büro leistet Unterstützung und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien. Memorial und seine Mitarbeiter_innen sehen sich wegen ihrer friedlichen Menschenrechtsarbeit seit Jahren Repressalien und Verleumdungskampagnen ausgesetzt. Natalia Estemirova, die Vorgängerin von Oyub Titiev, wurde 2009 entführt und ermordet und weitere Mitarbeiter_innen sind bei zahlreichen Gelegenheiten willkürlich inhaftiert und angegriffen worden.

Am 8. Oktober 2018 wurde Oyub Titiev in Anerkennung seiner Tätigkeit der Václav-Havel-Menschenrechtspreis der Parlamentarischen Versammlung des Europarates verliehen.